Die Überfahrt von Guanaja nach Providencia ist die Königsetappe für dieses Jahr und wahrscheinlich auch die anspruchsvollste. Es geht die ersten 2 Tage konstant gegen Wind und Welle, die wir durch Hoch- und Runterkreuzen überwinden wollen.

Tag 1. Der Wind steht hier morgens meistens auf Südost, was uns für den Anfang gut passt. Also auf um 05:00 und Anker hoch um 06:00. Soll mal keiner sagen, wir hätten Urlaub. Außerdem brauchen wir wohl bald mal eine neue Ankerwinsch, das Hochholen wird immer anstrengender. Der Wind kommt, wie vorhergesagt, und den angepeilten Winkel zum Wind bekommen wir auch gesegelt. Die Wellen sind nicht sehr hoch, da wir die aber von schräg vorne haben, werden wir trotzdem ordentlich hin- und hergeschüttelt, und die Skipperin braucht nach längerer Zeit mal wieder eine Reisetablette. Wir kommen gut durch die Nacht und schaffen es beide, ein paar Stunden zu schlafen.

Tag 2. Der Wind bleibt so, wie er soll, und wir fahren weiter unseren Zickzack-Kurs. Morgens schläft er dann für ein paar Stunden ein, und der Dieselwind übernimmt. Das nutzen wir aus, um direkt Richtung Osten zu fahren, um den am Nachmittag einsetzenden Nordostwind möglichst weit draußen zu erwischen. Dadurch können wir Nicaragua großräumig umfahren und rauschen unserem Ziel hoppelig, aber recht flott entgegen.

Tag 3. Um nicht Gefahr zu laufen, in Providencia im Dunkeln anzukommen, verkleinern wir den Bogen etwas und gehen doch näher an die Küste heran. Dadurch sparen wir gute 30 sm (6 Stunden). Auryn wird durch die dauernde Schräglage einiges abverlangt, aber sie schlägt sich tapfer. Ein weiteres Problem ist die Hitze unter Deck. Essen machen oder was sonst so nötig ist, endet in Schweißausbrüchen. Ansonsten passiert nicht viel, außer dass wir in der Nacht wieder Besuch von fliegenden Fischen bekommen, die auf Deck eine Zwischenlandung einlegen, zum Glück aber auch selber wieder ins Wasser hüpfen.

Tag 4. Wir können den Amwindkurs verlassen und schwenken nach Süden. Der Wind bleibt herrlich konstant und kommt nun von der Seite und später von schräg hinten. Das führt zu wunderbarem Kaffeesegeln der letzten 150 sm. Wenn ich mir die Windvorhersage des letzten Stücks hätte malen können, wäre sie genau so geworden wie jetzt vorhergesagt. Wegen der Piratengefahr in dieser Gegend sind wir etwas nervös, und sobald wir ein anderes Boot sehen, wird erstmal per Fernglas gecheckt, ob es irgendwelche Anstalten macht, in unsere Richtung zu kommen. Wir haben das Senden unseres AIS (zeigt anderen Schiffen an, wer wir sind und wo wir langfahren) ausgestellt und Nachts auch das Mastlicht, um schlechter gesehen zu werden.

Tag 5. Um 10.00 heißt es Land in Sicht. Im Dunst des Morgens schälen sich die Umrisse von Providencia aus dem Wasser. Der Skipper zieht sich noch etwas frustriert das Pokalhalbfinale Bayer gegen Bayern rein, und dann sind wir auch bald schon da. Wir biegen um die kleine Insel Santa Catalina und landen vor Providencia in einer schönen Bucht, wo noch 4 andere Segelboote liegen. Die Insel gehört zu Kolumbien und daher muss leider der gesamte Bootseinklarierungsprozess durchlaufen werden. Das geht hier nur mit einem Agenten und das ist für uns Mr Bush, dem wir alle Unterlagen zuschicken.

Die Segelbilanz des Törns ist wunderbar, von den 457sm mussten wir nur 23sm den Motor laufen lassen. Warum nicht häufiger so.

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