Klar, wie soll ein Titel auch sonst heißen, wenn jemand aus unserer Generation zum ersten Mal in dieses Land reist. Unser erstes Ziel in Panama liegt ganz im Westen und ist die Inselgruppe Bocas del Toro. Wir segeln flott die ersten eineinhalb Tage und müssen wie befürchtet die letzten 16 h den Motor anschmeißen. Die ganze Atlantikseite von Panama ist relativ windarm, aber dafür reich an Gewittern. Und leider schaffen wir es auch nicht vor den angekündigten Gewittern anzukommen. In der 2. Nacht rumst es heftig um uns herum, und es kommen ungute Erinnerungen auf. Als wir gegen Mittag in die Bocas Inseln eintauchen, kommt ein Regenschauer runter, wie wir ihn noch nicht häufig hatten. Man sieht nichts mehr, wir fahren langsam am Ankerfeld vorbei, bis es nachlässt und wir den Anker auf 7 m fallen lassen. Ganz schön voll hier, bestimmt 30 Boote sind schon da. Von Bord gehen wir heute nicht mehr, um uns bei den Behörden anzumelden, es ist 01. Mai und das ist auch hier ein wichtiger Feiertag. Wie immer nach mehrtägigen Überfahrten sind wir ganz schön geplättet, gönnen uns ein Ankerbierchen und gehen früh schlafen.

Die Bocas del Toro sind eine Inselgruppe und nur wenige Kilometer vom Festland entfernt. Es gibt einen kleinen Flughafen, mit dem die meisten Touristen anreisen, wenn sie nicht mit dem eigenen Boot da sind. Alternativ kann man auch mit dem Bus kommen und dann mit einer der vielen kleinen Schnellboote übersetzen. Wir liegen vor dem Hauptort des Archipels, der Stadt Bocas Town, auf der Isla Colon. Wir versuchen pflichtbewusst, uns am Samstag anzumelden, aber auch das klappt nicht. Dann schauen wir uns halt den Ort an. Der hat überraschenderweise deutlich mehr zu bieten als gedacht. Es gibt viele kleine nette Restaurants und erstaunlich gut sortierte Läden. Wir finden einen Handwerkerladen, vor dem OBI sich nicht verstecken braucht. Alles, was wir an Kleinkram so brauchen, ist vorhanden. Wir schlendern noch durch ein paar Läden, gehen was Essen und hängen während des nächsten Starkregens in einer Bar ab.

Sonntag machen wir einen wunderbaren Ausflug auf die kleine Nachbarinsel Isla Carenero. Es gibt einen halbwegs vernünftigen Dinghy-Steg, und wir laufen die nächsten 2h fast um die ganze Insel herum. Am Anfang ist ein ziemlich heruntergekommener Ort mit viel Müll und kaputten Häusern. Die Leute sind aber sehr nett, wir werden oft angesprochen und wer etwas Englisch kann, freut sich, es vor seinen Freunden zu präsentieren. Als wir aus dem Ort herauskommen, wird es unglaublich schön. Es gibt viele Fincas mit Bungalows, die vermietet werden, und jede Menge Palmen und blühende Pflanzen. Die Wege sind herrlich angelegt und schlagartig ist alles komplett gepflegt, und es reiht sich ein wilder Traumstrand neben den anderen. Am Nachmittag landen wir in einer Strandbar mit Livemusik. Die Musik ist so schön, dass wir nicht wegkommen und nach längerer Zeit mal wieder versacken.

Montag klappt es dann endlich mit dem Anmelden, und auch in Panama sind der Bürokratie (und den daran hängenden Kosten) keine Grenzen gesetzt. Das lief so ab: Erst ins Büro vom Hafenkapitän, der für die Anmeldung der Boote zuständig ist. Wir bekommen gesagt, dass in 20 Min. die Behörden auf das Boot kommen und eine Inspektion vorzunehmen. Also wieder zurück zu Auryn, und kurz danach kamen zwei nette Leute an Bord, mit denen wir ein paar Papiere ausgefüllt haben. Er hätte gerne noch 85 Dollar für den Besuch, und wir sollten nun zum Flughafen laufen, wo Immigration die Pässe stempelt. Also auf zum Flughafen, der nicht weit ist. Wir sitzen bei der freundlichen Dame locker 30 Min. im Büro, weil die Systeme ausgefallen sind. Sie meint, wir sollten mal lieber was essen gehen, sie meldet sich. Kaum sitzen wir in einem kleinen Restaurant beim Lunch, schreibt sie eine Whatsapp. Wir können kommen, geht alles wieder. Also wieder zum Flughafen, und schon bald haben wir die Pässe mit schicken Panamastempeln versehen. Jetzt wieder zurück zum Hafenkapitän, wo ich gefühlt eine Stunde im klimatisierten Büro einer Dame sitze, die fleißig irgendwas in den Computer eingibt. Am Ende hätte sie gerne 185 Dollar, und dafür bekommen wir in den nächsten Tagen eine Zarpe (Fahrgenehmigung für die Boote). Sie meldet sich, wenn das Dokument aus Panama City eingetroffen ist. Ich habe jetzt endgültig den Kaffee auf. Wir erledigen noch ein paar Dinge und machen uns zum letzten Mal auf ins Dinghy zurück zum Boot. Eine Sache ist hier übrigens sehr nervig: Dinghy-Diebstahl ist extrem verbreitet, und es ist dringend angeraten, abends das kleine Boot aufs große Boot hochzuholen. Und dafür müssen wir jedes Mal den Motor abmachen und das Boot am Mast hochkurbeln, so wie wir es sonst nur gemacht haben, wenn wir weiterfahren.

Am nächsten Tag fahren wir in den Norden der Isla Colon. Das geht hier ganz praktisch mit einem kleinen Bus, der stündlich die Insel rauf und runter fährt. Das Ziel ist der Starfish Beach, wo direkt am Strand Hunderte von Seesternen im flachen Wasser liegen. Um dorthin zu kommen, geht es nah am Wasser eine Bucht runter, die es in sich hat. Selten so eine Schönheit gesehen. Man läuft auf einem sandigen Weg durch einen Urwald, der hauptsächlich aus Bambus und Palmen besteht. Immer wieder kommt man ans Wasser und geht dann wieder zurück zwischen den Bäumen. Der Starfish Beach selber ist auch nett, aber irgendwie sind dann doch zu viele Restaurants und Buden hier. Da das Wetter ziemlich trüb heute ist, sind nicht viele Leute da.

Was uns auffällt. Es gibt an vielen Ecken, auch in der Stadt Bocas Town und in Orten auf dem Weg hier hoch, Recycling-Tonnen und Aufrufe, vor allem Plastikmüll zu trennen. Wir fahren durch einen Ort, der am Eingang riesige Schilder zum Thema Recycling aufgestellt hat und wie man das Plastik wiederverwerten kann. Nur leider ist das bei vielen Leuten anscheinend noch nicht angekommen, weil der Müll in den schönsten Gegenden rumliegt oder noch öfters gesammelt, aber nicht abgeholt wird.

Obwohl wir unser Zarpe noch nicht bekommen haben, wollen wir morgen mal eine andere Bucht anschauen, die etwa 2h von hier entfernt ist, die Dolphin Bay. Mal sehen, was es dort zu entdecken gibt.

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