
Chillen auf Providencia
Der Tag begann mit einem Telefonat mit unserem Agenten Mr Bush: Captain, I need to see you in my office at 10am. OK, can we come a little bit later? Negative, Captain, you must be here at 10. Also Frühstück abbrechen und wir machen uns auf zum Pier der größten Ortschaft Santa Isabel auf Providencia. Mr Bush ist nur als Nebentätigkeit Agent. Eigentlich hat er einen Krimskramsladen für Haushaltswaren und merkwürdige Klamotten. Los ging es dann doch erst um 11.30. Sein Sohn Jean Paul (er heißt wirklich so) fährt mich ein Stück die Straße runter zur Immigration und dem Capitano für den Hafen. Alle sind sehr freundlich und nach einer Stunde sind wir einklariert und bekommen unsere Stempel in die Pässe. Am Nachmittag haben wir Glück, wir brauchen ein paar neue Schlauchschellen, weil die Wasserpumpe tropft, und ich hoffe, die mit einer zweiten Schelle etwas dichter zu bekommen. Diese gab es im gut sortierten Handwerkerladen.
Providencia gehört zusammen mit der 90 km südlich gelegenen Insel St. Andres zu Kolumbien und hat nur 6000 Einwohner. Sprachlich ist das hier ein ganz schöner Mix. Die nette Dame von der Immigration hat es mir erklärt. Offiziell ist Spanisch die Hauptsprache, aber Englisch wird als Geschäftssprache genutzt, weshalb es hier auch sehr verbreitet ist. Aber im Alltag sprechen die Leute untereinander meistens Kreol, eine Mischung aus beidem mit etwas Französisch dabei. Wenn man etwas Spanisch und Englisch kann, versteht man einiges. Die Menschen hier haben grundsätzlich den Ruf, außergewöhnlich freundlich zu sein, und wir können das bestätigen. Jeder grüßt, und ständig wird einem Hilfe angeboten. Und Kriminalität ist auch kaum verbreitet, Dinghy-Diebstähle kommen nie vor, wird uns versichert.



Unser erster Ausflug geht direkt in die Nähe auf die Nachbarinsel mit dem schönen Namen Santa Catalina. Diese ist mit Providencia über eine bunte Brücke verbunden und besteht aus einer langen Promenade mit Wohnhäusern. Am Ende kann man noch einen kleinen Hügel raufklettern und hat einen grandiosen Blick über die Bucht. Wieder zurück kehren wir in das vielgelobte kleine Restaurant von Big Mama ein und essen frischen, gegrillten Fisch. Man sieht sowohl hier wie auch im Ort auf der anderen Seite überall die Schäden des Hurrikans Iota, der im November 2020 mit Stärke 4 über die Insel hereinbrach. Mr Bush erzählte, dass ihm im oberen Stock das Dach weggeflogen ist und die Etage komplett leer geräumt und über der Insel verteilt wurde.






Und so verbringen wir die Tage auf Providencia relativ gechillt. Es ist immer noch sehr heiß und schwül, und wir fühlen uns manchmal wie gelähmt. Dagegen hilft natürlich Schnorcheln gehen, und wir machen uns auf zu einem 3 km entfernten Felsen, wo wir mit dem Dinghy ankern. Es ist allerdings so wellig, dass wir dem Anker nicht trauen. Daher kann immer nur einer ins Wasser, und der andere muss sozusagen Ankerwache schieben. Wie schon in Honduras ist es auch hier großartig, viele bunte Fische, und die Korallen sehen teilweise noch ganz gesund aus, soweit wir das beurteilen können.



Der Verkehr über die Insel findet zum größten Teil mit Motorrollern statt, die zu Hunderten über die bröckeligen Straßen der Insel brettern. Und natürlich mieten wir uns für 2 Tage auch mal eine kleine Yamaha und düsen los. Gar nicht mal so schlecht motorisiert findet der Skipper und spielt mit dem Gashebel, bis die Skipperin als Sozius ihn schnell wieder einbremst. Wir fahren zuerst zum Neptun Beach, wo es eine kleine Strandbar gibt und wir einen erstklassigen Lemondrink bekommen. Der Besitzer Robinson erzählt etwas über sein Leben und die vielen Jobs, die er hat, um über die Runden zu kommen. Danach kommt noch Sophia aus Österreich dazu und wir halten einen langen Schnack. Sie ist seit ein paar Monaten alleine in Südamerika unterwegs und es gibt jede Menge Stories zu erzählen. Wir fahren noch ein paar weitere Strände ab und erfreuen uns am authentischen Inselleben. Da Sonntag ist, sind mehr Einheimische Familien als Touristen an den Stränden und man könnte den Kindern stundenlang beim Spielen zuschauen. Unterwegs finden wir noch das einzige Stadion auf der Insel wo ein Baseballspiel stattfindet. Eigentlich ganz cool, es läuft laute Musik und so ganz erst nehmen tun die Spieler das hier nicht. Zum Dinner landen wir am Southwest Beach, wo es den besten Sonnenuntergang der Insel geben soll. Und wir werden nicht enttäuscht. Neben unserer Fischplatte mit Reis ist es das Sahnehäubchen an diesem Tag. Im Dunkeln fahren wir nach Hause, was bei den vielen Schlaglöchern nicht ganz so einfach ist.








Am nächsten Tag ist der Skipperin etwas unwohl und deshalb mache ich mich alleine auf und brause diesmal im Uhrzeigersinn um die Insel. Die Strecke ist insgesamt nicht sehr lang und man ist bei gemächlicher Fahrweise in weniger als einer Stunde herum. Zum Spazierengehen geschweige denn Wandern ist es schon wieder viel zu heiß. Aber auf dem Moped ist es mit dem Fahrtwind total angenehm. Am Nachmittag bekommen wir Besuch an Bord von Sophia und Anthony. Er ist gebürtig von hier und hat im Tourismus viele unterschiedliche Jobs. Zum Beispiel Guide zum Wandern, Bootsausflüge managen und Begleitung von Kreuzfahrttouristen. Alle 4–6 Wochen hält hier ein Schiff mit über 1000 Passagieren an, und die Insel putzt sich dafür jedes Mal raus. Es werden Stände aufgebaut und viele Angebote für Ausflüge gemacht. Er ist einer von 25 Betreuern für die Leute. Das nächste Schiff kommt am Mittwoch, was wir wohl knapp verpassen werden. Ein sehr netter Nachmittag an Bord.


Unser letzter Tag auf Providencia dient wieder der Vorbereitung auf die Weiterfahrt. Wir besorgen im nahegelegenen Supermarkt 80 l Trinkwasser in 4 Kübeln. Leider gibt es hier keine Anlegestelle, wo man sich Wasser abzapfen kann. Vielleicht müssen wir doch noch mal über einen Wassermacher nachdenken, wo man aus Salzwasser per Knopfdruck Süßwasser bekommt. Dann gehen wir noch einkaufen und geben unsere letzten Pesos aus. Die Fahrt nach Panama in die Region Bocas del Toro ist etwa 250 sm lang und sollte nicht viel länger als 2 Tage dauern. Vor allem, weil diesmal die Strömung eher mit uns als gegen uns ist. Der 2. Teil der Strecke wird sicherlich auch einige Stunden mit Maschine laufen, da es unten vor der Küste von Panama ständig Flauten gibt.