
Es ist heiß im Dschungel
Uns fällt es im Moment etwas schwer, die wunderschöne Inselwelt der Bocas zu genießen, weil es einfach unerträglich heiß ist. Jede Bewegung führt zu Schweißausbrüchen, und wir können uns kaum aufraffen, etwas zu unternehmen oder zu erledigen. Genug geklagt, wir holen den Anker hoch und fahren teils unter Motor, teils unter Segeln 2h runter in die Dolphin Bay. Apropos Anker auf, es wird immer schwieriger. Die Winde krächzt und stöhnt, und weil sie zum Arbeiten immer mehr Strom braucht, fliegt ständig die Sicherung raus. Die letzten Meter beim Hochholen gehen nur noch mit händischer Unterstützung. So geht das nicht weiter, und weil wir noch ein paar Jahre ankern wollen, haben wir nach langer Suche eine neue Ankerwinde nach Panama bestellt. Es gibt eine baugleiche, die aber etwas stärker ist. Jetzt hoffen wir mal, dass mit dem versprochenen Transport und dem Zoll alles glatt geht. Man hört verschiedene Geschichten, mal dass es problemlos läuft und manchmal dauert es ewig.
Angekommen in der Dolphin Bay müssen wir auf satten 12 m ankern, so tief hatten wir es selten. Und je tiefer der Anker ist, desto mehr Kette muss ausgefahren werden, und natürlich mit unserer Winde auch wieder hochgeholt werden. Das wird wieder kein Spaß werden. In der Dolphin Bay ist es wunderschön und vor allem ruhig. Es liegen nur 3 andere Yachten hier, und es gibt keine Taxiboote, die an einem vorbeibrausen. Wir gehen am nächsten Tag in den berühmten Dolphin Bay Yachtclub, der direkt neben uns auf der kleinen Insel ist. Dort hat sich vor ein paar Jahren eine amerikanische Familie niedergelassen und betreibt diese sehr coole Esskneipe. Mit einem Yachtclub hat das eigentlich nichts zu tun, eher mit einem Holzverschlag. Auf der Insel gibt es noch Hühner, und sonst wohnt da niemand. Wir lernen direkt die anderen Gäste kennen, die alle Segler sind. Die meisten wohnen seit Jahren auf ihren Booten und sind in den Bocas gestrandet. Leider ist nur Andrea da und nicht ihr Mann, daher ist heute die Küche kalt. So bleibt es bei ein paar Drinks und einem schönen Abend mit netten Menschen. Und wir verewigen uns mit einem selbst gemalten Auryn-Bild.




Am nächsten Tag machen wir (trotz der Hitze) etwas wirklich Einmaliges. Nicht weit am Südufer gibt es Wonderland, einen Dschungel, der von Mia und Alec aus Südafrika bewohnt wird. Wir werden herzlich empfangen und müssen zuerst die 4 wilden Hunde kennenlernen. Mia erzählt uns dass sie das Areal von 18Ha (das sind etwa 25 Fußballfelder) vor 3 Jahren gekauft haben. Sie haben dort ein Haus aufgebaut und leben völlig autark. Wasser kommt vom Regen und wird gefiltert, und Strom gibt es aus Solarzellen. Der Generator muss nur selten ran. Im Dschungel gibt es über 8km Wege die alle relativ gut begehbar sind. Sie bieten interessierten Leuten Dschungeltouren an und zeigen und erzählen die vielen kleinen Geheimnisse dort mit großer Leidenschaft. Die erste Stunde gehen sie mit uns mit und erklären worauf wir achten sollen. Leider sehen wir heute kein Faultier, dort leben nämlich einige in den Bäumen. Interessanter Funfact: Die Faultiere kommen nur einmal die Woche vom Baum runter um sich zu erleichtern. Sie können anscheinend gut einhalten, weil sie dabei dann fast ein Drittel des Körpergewichts verlieren. Wir sehen noch zwei Pfeilgiftfrösche die nicht einfach zu erkennen sind. Dann sehen wir riesige Spinnen, stachellose Bienen, riesige Libellen, ein totes Gürteltier und zum Schluss noch zwei Brüllaffen. Die hören wir allerdings eher als das wir sie gut sehen können. Dann lernen wir noch einen wandernden Baum kennen, der sich bis zu einem Meter pro Jahr bewegt. Wir wären gerne noch die anderen Wege abgelaufen aber es ist wie schon mehrfach erwähnt zu heiß. Und so machen wir uns auf zum Haus wo wir auf ein paar Kaltgetränke eingeladen werden und den Ausblick von der traumhaften Terrasse auf die Bucht genießen. Die beiden sind wirklich außergewöhnlich nette Menschen. Sie hatten vor ein paar Jahren keine Lust mehr auf Südafrika und sind typische Auswanderer. Aber so ein Fleckchen Erde zu bekommen ist schon Glück. Es kostet nicht mal Eintritt, man darf aber gerne eine Spende da lassen. Wir sind sehr dankbar für den großartigen Tag.










Und schon geht es am nächsten Tag wieder weiter, wir fahren zur Isla Bastimentos. Dort ist es kleiner als am ersten Ort in den Bocas, aber etwas mehr Leben als in der Dolphin Bay. Wir setzen direkt über in den Ort Old Bank der durch farbenfrohe Deko im Ortskern und einer relativ netten Hauptstraße besticht. Es ist Sonntag und alle Leute sind auf der Straße. Es gibt überall Lautsprecher mit ohrenbetäubender Musik und kleine Restaurants. Die Kinder spielen Fußball und die Erwachsenen tanzen oder sitzen gesellig beisammen. Wir gehen etwas abseits was essen, weil die laute Mucke nichts für unsere Ohren ist.




Es gibt hier immer wieder zwischendurch Starkregen, der bei unserem Boot die ein oder andere Schwachstelle offenlegt. Vor allem ein Fenster über dem Navipult macht Kummer, weil es dort reintropft. Also wird die komplette Verkleidung abgeschraubt und auf den nächsten Regen gewartet, um zu sehen wo es genau reintropft. Die Stelle um den Rahmen wird dann mitten in der Nacht auch schnell gefunden und mittels Marine Silikon ordentlich zugekleistert. Es hat funktioniert, beim nächsten Regen ist es dicht.
Ein weiterer Ausflug auf Bastimentos führt uns quer über die Insel zum Wizard Beach. Es geht über einen gut angelegten Weg wieder durch den Dschungel und wir kommen nach ein paar km auf der Nordseite der Insel raus. Dort ist es wirklich schön und erstaunlicherweise überhaupt kein Müll oder Seegrass der die Idylle trüben würde. Wir laufen den Strand rauf und runter und gönnen uns in der Bar bei Reggae Musik ne Coke.




Heute ist der letzte Tag in den Bocas, weil sich morgen ein zumindest mittelmäßiges Wetterfenster Richtung Osten auftut. Die beiden Probleme sind hier, zum einen ist oft zu wenig Wind und zum anderen ziehen hier immer wieder Gewitter durch, die man vor allem auf offenem Wasser doch gerne vermeidet. Beides kann in dieser Jahreszeit nie ganz ausgeschlossen werden, aber man kann versuchen, es etwas zu reduzieren. Da wir unser Zarpe immer noch nicht bekommen haben, müssen wir wieder in den bestens bekannten Ort Bocas Town zur Hafenbehörde. Dort ist es auch endlich angekommen und 185 Dollar später gehört es uns. Jetzt dürfen wir legal durch Panama segeln. Dann kommen noch die üblichen Einkäufe und wir gehen noch mal in unser Lieblingsrestaurant auf einen Lunch. Zwischendurch regnet es immer wieder wie aus Eimern und wir müssen einen guten Slot abwarten, wann wir mit dem Dinghy die weite Strecke zurückfahren.
Unser Ziel ist eigentlich die Linton Bay, die wir bei Abfahrt morgen früh, wahrscheinlich übermorgen Abend nicht im Hellen erreichen würden. Daher werden wir irgendwo vorher ankern, wahrscheinlich in Colon am Eingang des Panama Kanals. Bis dahin sind es 140sm und wir rechnen mit guten 30h Fahrzeit. Wir haben in der Marina Linton Bay eine Reservierung für nächste Woche für ein paar Tage gemacht, um das Boot dort abzustellen und nach Panama City zu fahren. Unsere Tochter Marlene kommt uns für 2 Wochen besuchen und wir sind schon total aufgeregt.