
So viele kleine schöne Inseln
Wir entscheiden uns als nächstes für die 13sm weiter östliche Inselgruppe der Cayos Holandeses mit dem Ankerplatz Swimmingpool in ihrer Mitte. Zum Glück haben wir die guten Navionics-Karten auf Handy und Plotter, sonst wäre die Gefahr, auf ein Riff zu laufen, nicht unerheblich. Zusätzlich haben wir noch Karten von Bauhaus, die Navigationspunkte beschreiben, an die man sich beim Durchfahren der Riffe halten kann. Der Ankerplatz Swimmingpool sah schon von weitem recht voll aus, und so sind wir direkt etwas südlich abgebogen und haben vor der Insel Banderup festgemacht. Das ist mal wieder ein Träumchen, nur 100 m bis zur Insel rüber, und dort gibt es sogar einen ziemlich solide aussehenden Dinghy-Steg, an dem man festmachen kann. Dahinter ist direkt eine Bar mit Volleyballfeld und sogar einer Stranddusche. Wir machen einen Spaziergang um die Insel herum und landen im berühmten Restaurant von Ibin. Dort gibt es leckeren Fisch und eine hervorragende Gemüsepizza im netten Ambiente auf einem Holzsteg.






An den Ankerplätzen kommen oft Händler vorbei, die entweder Gemüse, Fisch oder die allgegenwärtigen Molas anbieten. Wir kaufen unter anderem eine schöne Makrele, die wir uns zum Abendessen braten. Manchmal kommen auch Leute vorbei, die nichts verkaufen, aber fragen, ob man etwas für sie übrig hat, wie z. B. Milch, Süßigkeiten für die Kinder oder praktische Dinge wie Stifte oder T-Shirts. Klar, kein Problem, irgendwas zum Abgeben finden wir immer – und wenn es ein paar Dollars sind. Die meisten sind nicht aufdringlich und fragen sehr freundlich. Sie erkundigen sich fast immer, wo man herkommt, wie wir heißen und wo es als Nächstes hingeht. Einmal kam eine junge Familie und hat uns ihre Powerbank dagelassen mit der Bitte, sie aufzuladen.
Am nächsten Tag fahren wir einige Kilometer mit dem Dinghy rüber Auf die Isla Tortuga. Die Insel ist wirklich klein, vielleicht 200m im Durchmesser. Es gibt dort eine Bar und einen schön angelegten Bereich wo zwischen den Palmen Tische und Hängematten aufgebaut sind. Die Insel ist nett, ähnlich wie Dog Island. Es werden zwischendurch immer wieder kleine Gruppen von Touristen mit Booten hergebracht wo auch immer die herkommen. Sie hängen etwas auf der Insel rum, trinken ein paar Gläschen und werden nach dem Mittagessen wieder weggebracht. Wohl dem der so eine Insel hat mit gut laufendem Restaurant. Wir tun es ihnen gleich und testen die Hängematten ausgiebig.





Am letzten Morgen vor Banderup gab es noch mal ordentlich Stress auf Auryn. Es entlud sich ein heftiges Gewitter mit allem, was dazugehört, und wir wurden plötzlich ein Stück Richtung Land getrieben. Wir hatten kaum noch Wasser unter dem Kiel. Ein zusätzliches Problem war noch, dass nicht weit von uns ein kleines Riff war, dem wir uns mehr genähert haben als uns lieb war. Also Motor an, und wenn die Böen zu heftig wurden, gegenan fahren. Bei den Bedingungen war es nicht möglich, umzuankern, zumindest nicht mit unserer nur noch halb funktionierenden Ankerwinde. Zum Glück passierte das nicht in der Nacht. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei, und wir konnten Anker auf gehen. Wir entscheiden spontan schon heute zu einer Inselgruppe Richtung Festland aufzubrechen, die etwas dichter bewohnt sind. Dort gibt es ein paar größere Minimarkets, in denen wir einkaufen können. Außerdem ist von dort der Hafen nicht weit von dem Marlene übermorgen einen Transport zum Flughafen gebucht hat.
Diese Inselgruppe heißt Carti und besteht aus kleinen Inseln, die aber im Gegensatz zu allen anderen hier dicht bewohnt sind. Wir sind das einzige Boot vor der größten Insel und lernen morgens erstmal Ernesto kennen, der uns um kurz nach 7 aus dem Schlaf holt. Er will diverse Sachen verkaufen und uns später an der Insel abholen. Wir fahren nach ausgiebigem Frühstück rüber und landen in einer erstaunlichen Welt. Auf den Inseln sind ursprüngliche Dörfer, wo ausschließlich Guna Yala wohnen. Ernesto hat uns am Dinghy-Steg abgegriffen und führt uns erstmal zum Supermarkt und will anschließend den gesamten Einkauf für uns erledigen. Auf den Inseln gibt es zwei Restaurants, und wir flüchten zum Lunch in eines der beiden mit angenehmer Terrasse. Das ist gerade die einzige Möglichkeit, Ernesto loszuwerden. Wir erkunden anschließend das Dorf ein wenig, welches hauptsächlich aus Stroh- oder einfachen Holzhütten besteht. Die Leute sind alle sehr nett und wir werden oft angesprochen. Vor allem die Kinder sind zauberhaft, machen kleine Späßchen, winken und tanzen. Außer Boote gibt es keine Fahrzeuge, die man bei den kleinen Distanzen auch nicht braucht. Ein Problem ist hier, dass ab 18.00 bis Sonnenaufgang kein Strom da ist, der nur über Generatoren produziert wird.






Zurück am Dinghy wartet wer auf uns? Kann man sich denken. Ernesto sieht weiteres Potenzial Geld zu verdienen, und wir fahren zusammen auf die Nachbarinsel. Dort ist heute ein kleines Festival, wo wir zuschauen dürfen. Es ist wirklich großartig, überall auf der Insel sind vor allem die Frauen mit den bunten Kleidern rausgeputzt und unterwegs zu der Veranstaltung. Das Fest findet immer zu Ehren von einem Mädchen statt, wenn der Eintritt ins Erwachsenenleben kommt. Natascha und Marlene müssen den hinteren Eingang für die Frauen nutzen, und ich gehe auf die andere Seite zu den Männern. Alle sind schon ordentlich angeschwippst und tanzen in der kleinen Halle. Jeder spricht mich an und alle sind total nett. Auffällig ist, alle wollen einen berühren und schütteln die Hände. Wir wurden darum gebeten, von dem Fest keine Bilder zu machen.




Nach diesem tollen Erlebnis stehen wir am nächsten Morgen früh auf und bringen Marlene mit dem Dinghy zum Festland. Dort gibt es die einzige Straße aus dem Guna Yala Gebiet, die nach Panama City führt. Entsprechend ist dort eine Menge los, und viele Autos bieten ihre Dienste an. Wir finden den gebuchten Wagen für Marlene problemlos und müssen uns dann tränenreich verabschieden. Es waren großartige zwei Wochen, die leider viel zu schnell rumgingen. Aber es ist ja bald Sommer und wir werden uns in wenigen Wochen in Deutschland schon wieder sehen.

Wieder zu zweit fahren wir nur ein paar Meilen nach Norden in eine kleine Inselgruppe namens Lemon Ceys. Hier ist es schön, und wir liegen umrahmt von Inseln und kleinen Riffs sehr ruhig. Wir sind eh schon geplagt von Stichen und anderen Hautirritationen, aber ein Besuch auf der nächsten kleinen Insel macht es noch mal deutlich schlimmer. Vor allem die Beine sind übersät von Stichen, wahrscheinlich von Sandflies. Die Insel war wieder großartig, mit einem einfachen, aber tollem Restaurant. Aber bei den Mitbringseln verzichten wir dann auf weitere Besuche dort.




Morgen ist halbwegs vernünftiger Wind versprochen, um zurück nach Linton Bay zu kommen. Dort sollte im Laufe der nächsten Woche unsere Ankerwinsch eintreffen. Außerdem gibt es noch ein neues Problem an unserer Antriebswelle, die immer stärker undicht wird. Wir versuchen mal, einen Mechaniker aufzutreiben, der die Manschette austauschen kann oder was es auch immer ist.