Die Fahrt zurück zur Linton Bay, wo wir mit Marlene schon eine Nacht waren, klappt besser als gedacht. Wir haben guten Wind, der zwar immer wieder mal einschläft, dann aber auch stets wieder zurückkommt. Der Anker fällt auf ungünstigen 12 m Tiefe. Der letzte Ankerplatz in den San-Blas-Inseln war nur 4 m tief und wir konnten den Anker relativ problemlos heben. Bei 12 m sieht das anders aus, weil viel mehr Kette gehoben werden muss. Aber um dieses Problem zu beheben, sind wir ja jetzt hier. Die neue Ankerwinde hätte schon längst hier sein müssen, aber der Lieferant hatte entgegen seiner Zusage doch Schwierigkeiten, ein Zusatzteil der Winde zu bekommen, und hat sie erst 2 Wochen später losgeschickt. Und die 7–10 Tage, die DHL verspricht, sind wahrscheinlich auch nur ein Wunschtraum, wir werden sehen. Die Bucht ist ziemlich voll und gesäumt mit Riffen. Man muss wirklich absolut vorsichtig hineinfahren, um nicht anzuecken.

Die Linton Bay besteht eigentlich nur aus einer hübschen Marina mit etwas Bootsinfrastruktur drum herum. Es gibt einen großen Travellift, um Boote an Land zu stellen, Shops für Bootszubehör und ein paar Restaurants. Ansonsten ist eigentlich nur Regenwald drum herum. Das hört man besonders abends, wenn die Brüllaffen und nicht identifizierbare andere Tiere neben tausenden von Vögeln zur Nachtruhe rufen und ein lautes Spektakel veranstalten. In der Nähe ist noch ein Ort Puerto Lindo. Dort fahren wir mit Beiboot als Erstes hin, um mal wieder richtig einzukaufen. Hier mangelt es an nichts, sogar ein gut sortierter Baumarkt ist um die Ecke.

Und dann gibt es ja noch unsere Dichtigkeitsprobleme im Motorraum. Zum einen leckt die Abdichtmanschette an der Antriebswelle und zum anderen tropft auf der anderen Seite vom Motorraum die Wasserpumpe, die das Seewasser durch den Kühlkreislauf fördert. Beides lässt sich mit unseren bescheidenen Mitteln an Bord nicht so einfach tauschen, weil man dafür spezielles Werkzeug braucht. Wir fahren mit dem Dinghy in die Nachbarbucht, wo es die Panamarina gibt. Dort ist einen Mechaniker, mit dem wir das Problem besprechen wollen. Die Fahrt dahin ist toll, weil es durch einen Mangroventunnel geht. Das haben wir in der Vergangenheit schon mehrmals gemacht und auch hier ist es vor allem mit dem leisen E-Motor wieder ein Erlebnis. Der Mechaniker meint er kann das hinbekommen, ohne dass wir das Boot aus dem Wasser holen müssen. Er wird sich die Tage bei uns melden.

Zum Glück fängt ja auch die WM an und der Skipper kann sich mit dem ein oder anderen Spielchen die Wartezeit etwas verkürzen. Außerdem gibt es noch ein paar nette Ausflugsziele in der Nähe. Wir fahren einige Kilometer rüber auf die Isla Grande. Dort gibt es einen kleinen bunten Ort mit vielen Bars und Restaurants, aber irgendwie heute außer uns kaum anderen Besuchern. Wir laufen durch den Ort, der im Prinzip aus einer langen Promenade am Ufer besteht. Es gefällt uns wirklich gut, die Leute scheinen hier ein ganz entspanntes Leben zu haben. Am Ende kann man einen Hügel hochlaufen, was zu einer schweißtreibenden Angelegenheit wird. Auf dem Hügel ist ein alter Turm, den man über eine Wendeltreppe hinaufkommt. Oben auf die Plattform traue ich mich nicht, das ist alles etwas zu rostig. Der Blick über die Buchten bis zum Festland rüber ist großartig.

Freitag meldet sich dann Adrian, der Mechaniker. Er hätte morgen Zeit und kommt sogar zu uns zum Ankerplatz, was uns ein Ankerauf-Manöver erspart. Ich hole ihn mit dem Dinghy morgens ab und er schaut es sich zuerst an, bevor er sein Werkzeug holt. Der Marineshop ist top ausgestattet, sie haben genau die Volvo-Abdichtmanschette vorrätig, die wir brauchen. Im Laufe des Tages fahren wir noch mehrmals hin und her, weil er immer wieder irgendwas Spezielles aus seiner Werkstatt holen muss. Der Austausch der Pumpe (die wir sogar noch an Bord vorrätig hatten) muss am nächsten Tag erfolgen, weil er eine kleine Welle mit Zahnrad aus der alten Pumpe in der Werkstatt herauspressen muss. Schließlich klappt auch das, und wir lassen den Motor noch eine Stunde Probelauf machen. Sieht gut aus, alles bleibt trocken.

Von DHL bekommen wir inzwischen die Meldung, dass die neue Winde in Panama angekommen ist. Jetzt muss sie nur noch nach Colon rüber, wo wir sie bei DHL abholen. Das sollte doch in ein paar Tagen erledigt werden können. Für uns wird es mal wieder Zeit für einen Ausflug, wir fahren in einen Ort mit dem schönen Namen Portobelo. Dorthin kommen wir mit einem sogenannten Chicken Bus. Das sind alte amerikanische ausgemusterte Schulbusse, die komplett verziert und graffitimäßig bunt angemalt sind. Wann die denn wohl zum letzten Mal beim TÜV waren, fragt sich der faszinierte deutsche Fahrgast. Portobelo ist ganz nett und liegt an einer schönen Bucht. Es gibt ein paar schicke Kunstgalerien und die üblichen Restaurants an der Uferpromenade. Zur Zeit sind kaum Segelboote hier, weil es vor zwei Monaten einen bewaffneten Überfall nachts auf eine ankernde Yacht gegeben hat. Seitdem meiden die meisten Boote (wie wir auch) die Bucht. Das ist ausgesprochen schade, da es wirklich charmant ist. Leider spielt heute das Wetter nicht mit, es regnet immer wieder und wir stehen ständig irgendwo unter. Am Ende der Stadt besichtigen wir noch ein altes Fort von 1730. Das war zur Zeit der spanischen Besetzung und Kolonialisierung erbaut worden. Mit dem aufregenden Chicken Bus geht es wieder zurück.

Man merkt deutlich, dass die Regenzeit an Fahrt gewinnt und die Gewitter heftiger werden. Letzte Nacht donnerte und schüttete es mehrere Stunden wie aus Eimern. Zum Glück sind mehrere Dutzend Boote mit uns hier, dann fühlt man sich irgendwie sicherer.

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