
Das Ankerwindendrama
Inzwischen sind wir schon über zwei Wochen hier in der Linton Bay und würden eigentlich gerne mal weiterfahren. Schließlich gibt es in den San Blas Inseln noch einiges zu entdecken, aber ohne die bestellte Ankerwinde können wir hier nicht weg. Im letzten Beitrag wurde berichtet, dass die Winde laut DHL Tracking in Panama sein soll, aber noch durch den Zoll muss. Das dauerte dann auch noch mal einige Tage, und schließlich kam die Meldung, dass sie in Colon bei DHL ist.
Jetzt kommt ein Drama in ein paar Akten: Wir steigen Montag Mittag in den Chicken Bus, der bis nach Colon gute 2 Stunden braucht. Zwischendurch steigen ganze Schulklassen ein, was auf der einen Seite echt anstrengend, aber auch total lustig ist bei dem Lärm, den die veranstalten. In Colon gibt es eine abgesperrte Zona Libre, wo es internationale Geschäfte und viele Markensachen zu kaufen gibt. Man muss sich am Eingang ausweisen, und dann kommt man rein. Colon gilt als relativ gefährlich, daher sind so Shops anscheinend hinterm Zaun. Wir finden den DHL Shop relativ zügig, und der nette Schalterbeamte erklärt uns erstmal, dass das Paket nicht hier ist. Äh, aber die Adresse steht doch auf dem Paket. Ne, da müssen wir woanders hin, und er zeigt uns, wie wir dahin kommen. Wir nehmen einen Uber und sind kurz darauf in einer Art Industriegebiet, wo es einen Postshop gibt, der allerdings nicht mehr DHL heißt. Das Gebäude ist extrem runtergekommen, und es ist schwer vorstellbar, dass hier Post für uns sein soll. Aber es gibt einen Schalter mit einer Dame, die anfängt, unser Paket zu suchen. Kurz darauf kommt sie mit einem kleinen Paket um die Ecke, und ich rufe ihr zu, dass es nicht das richtige wäre, die Winde wiegt 18kg. Doch doch, da steht der Name drauf, und was anderes gibt es hier nicht für uns. Hää, viel zu klein und zu leicht, was soll das denn jetzt? In dem Packet ist das Relais, die neue Sicherung und eine Kettennuss, die die Kette führt, aber keine Winde. Es gibt erstmal eine wütende Whatsapp an den Lieferanten. Frustriert fahren wir die 2h wieder mit dem Bus zurück zum Boot.




Am nächsten Morgen klärt uns der Lieferant auf, dass es 2 Pakete gibt. Die Tracking Nummer des 2. Paketes haben wir dann auch bekommen, und es liegt anscheinend noch in Deutschland und kann gerade nicht aufgefunden werden. Er schlägt sich jetzt mit DHL rum und hat uns versprochen, in jedem Fall eine Winde dann halt zu unserem nächsten Ziel nach Kolumbien zu schicken.
Ich habe dann trotzdem das Relais und die Sicherung eingebaut, und wir haben probehalber mal die Ankerkette zur Hälfte hochgeholt. Es geht jetzt besser, weil zum einen die Sicherung nicht mehr ständig rausfliegt und das Relais anscheinend der Winde mehr Strom gibt. Trotzdem ächzt die Winde noch ordentlich, und wir brauchen auch diese so schnell wie möglich ersetzt. Aber bis Kolumbien sollten wir so kommen. Ein anderes Problem beim Aufholen ist, dass sich die Kette immer wieder unter der Nuss verhakt. Das liegt wahrscheinlich am Verschleiß, und so bauen wir zumindest die neue schon mal ein. Da sich ein Einsatz nur ein- und auspressen lässt, konsultieren wir noch mal Adrian, den Mechaniker, der die Teile innerhalb von einem Tag in seiner Werkstatt auf der Presse neu verbaut. Super, er bekommt hier im Seglerforum 5 Sterne von uns.



Ansonsten ist nicht viel los, nicht mal die WM bewegt hier viele Leute. Wir gehen zum ersten Spiel von Panama in die Kneipe der Marina und hoffen auf Stimmung. Ist aber eher mäßig, nur eine Handvoll Leute sitzen vor dem Fernseher. Zum Deutschland Spiel gehen wir noch mal dorthin und sind die absolut einzigen, die das interessiert (!). Ne, Bild war auch schlecht und die Pizza kam erst nach einer Stunde. Da fahren wir doch zur 2. Halbzeit lieber wieder an Bord zurück. Es gibt hier auf der anderen Seite der Bucht einen Ort, der Puerto Lindo heißt, heißt so viel wie hübscher Hafen (siehe Titelbild). Dort gibt es einen guten Supermarkt und ein etwas abgerocktes Restaurant von einem alten Holländer, der sehr nett war. Sein Sohn hat für uns Goulasch gemacht. Drum herum kann man auch etwas spazieren gehen, wo man ein paar interessante Pflanzen und Tiere sieht. Aber viel mehr bietet die Gegend eigentlich nicht.








Unser Heimflug ist in weniger als 3 Wochen von Cartagena in Kolumbien gebucht. Wir brauchen mal eine Bootspause und bleiben 8 Wochen in Deutschland. Da wir in der Linton Bay deutlich mehr Zeit verplempert haben als geplant, müssen wir uns langsam ranhalten. Direkt rüberfahren geht in der Regel nicht, weil Wind und Welle genau aus der Richtung kommen. Das heißt, wir müssen die San Blas Inseln 150sm runter bis Obaldia. Dort gibt es auch eine der wenigen Möglichkeiten, offiziell auszureisen und ein Zarpe zu bekommen, was man bei der Einreise im nächsten Land vorzeigen muss. Von dort sind es dann noch mal 150sm, also 1,5 Tage Fahrt bis Cartagena. Wir müssen also aus Zeitgründen einen weiteren Besuch der San Blas Inseln auslassen und suchen nun ein Wetterfenster, die Strecke durchzufahren. Eigentlich war Freitag angedacht, da ist ganz anständiger Wind. Aber leider auch über 2m Welle von der Seite die gesamte Strecke. Das brauchen wir nicht und werden wahrscheinlich erst Montag losfahren. Dann schaffe ich wenigstens vorher noch die jährliche Inspektion mit Öl- und Filterwechsel.