
Culo de Pollo
Wie war das noch im letzten Beitrag, Abfahrt am Montag? Wenn da nicht plötzlich eine Mail von DHL gekommen wäre. Da stand doch allen Ernstes die Ankerwinde ist in Panama und schon durch den Zoll durch, das heißt, Ankunft am Montag. DHL ist wirklich ein Saftladen. Die brauchen für den gesamten Transport statt versprochener 7-10 Tagen über 30 Tage und dann wird noch nicht mal über die Zwischenschritte per Mail informiert. Wir nutzen die Zeit zum Abholen und fahren an den Strand. Auf der Isla Grande ist in der Nähe eine wunderschöne Bucht, in der Sonntags richtig was los ist. Es gibt ein paar einfache Strandbuden mit Essen und kaum ausländischen Touristen. Wir gönnen uns ein lecker Fischfilet und genießen den Lärm und den Spaß der Familien mit den vielen Kindern. Anschließend laufen wir noch mal durch das Dorf, in dem wir vor einer Woche schon mal waren, hier ist es wirklich schön und relaxed. Wir sehen auf dem Riff vor der Insel ein aufgelaufenes Segelboot, das letzte Woche noch nicht da war. Da wird einem schon ganz anders, wenn man das sieht. Wie sowas passieren kann, dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Anker losgerissen, Motor plötzlich ausgefallen, Ruder verloren oder beim Navigieren geschlafen.




Erledigt bekommen wir auch noch die jährliche Wartung unseres wackeren Volvo Motors und des Getriebes. Er bekommen frisches Öl und frische Filter und Vorfilter für das Öl und den Diesel. Ist immer etwas schwierig zu vermeiden, dass kein Kraftstoff oder Öl ausläuft, was dann wieder aus den Bilgen geholt werden muss.
Dienstag machen wir uns also wieder auf nach Colon, mit dem 2h dauernden Chicken Bus, und ab in die Zona Libre. Diesmal lassen wir uns etwas mehr Zeit und schauen, was die Läden dort anzubieten haben. Es gibt viel Elektronik und Klamotten. Die Sachen sind wirklich sehr günstig, aber zum größten Teil scheint es doch eher Billigkram aus China zu sein. Wir kaufen trotzdem ein paar Kleinigkeiten für das Boot und holen dann die Winde ab. Juhuu, wer hätte das gedacht. Komischerweise kostet es keinerlei Importtax, wir hatten mit über 200 USD gerechnet. Einer der seltenen Fälle, in denen eine finanzielle Annahme zu unseren Gunsten ausfällt. Den Einbau verschieben wir auf Kolumbien, weil wir Bedenken haben, den Umbau auf dem wackeligen Ankerplatz zu machen. Den letzten Tag nutzen wir noch mal für eine große Proviantierung und besorgen Wasser und gehen in den Supermarkt. Das Wasserbunkern ist hier echt anstrengend, weil es keine Möglichkeit gibt, mit dem Boot an einem Steg Wasser zu tanken. Dass heißt, wir müssen in der Marina unsere 20l Bottiche zapfen und die per Hand an Bord bringen und in den Tank füllen. Vor der Abfahrt erleben wir an der Tanke noch eine neue Episode. Dort steht am kurzen Steg bereits ein Boot und die Leute rufen uns zu, dass es noch dauert, weil der Käptn bei der Immigration ist. Das ist schon ziemlich unverschämt, weil der ganze Bereich sehr eng ist. Wir machen daneben an einem langen Steg der Marina fest, worauf direkt ein Mitarbeiter angerannt kommt und meint, wir müssten dafür bezahlen. Ne sicher, wir weisen auf das Dilemma an der Tanke hin, was ihn nicht interessiert. Im Endeffekt lassen wir ihn reden und fahren nach einer halben Stunde tanken.





Auf Grund der fehlenden Zeit fahren wir an den gesamten San Blas Inseln vorbei, was schon ein Jammer ist. Das Ziel ist Puerto Obaldia kurz vor der kolumbianischen Grenze, was weit und breit die einzige Möglichkeit ist auszuklarieren. Dieses Ausklarieren ist Pflichtprogramm, weil man eine Zarpe bekommt, die im nächsten Land beim Einreisen vorgezeigt werden muss. Ohne die bekommt man heftige Strafen. Die Fahrt ist eine Mischung aus etwa halbe halbe Segeln und Motoren. Etwas nervig ist die 2m Welle von der Seite, aber irgendwann haben wir uns auch daran gewöhnt. Immerhin kommen wir ohne Gewitter und größeren Regen durch. Wir landen nach 30h in einer wunderschönen Bucht kurz vor Puerto Obaldia. So ruhig haben wir schon lange nicht mehr gelegen. Kurz nach dem der Anker fiel, besuchen uns ein paar Kinder, die uns ein offizielles Schreiben auf Englisch zeigen, in dem um Spenden für die Schule vor Ort gebeten wird. Außerdem haben die Jungs ein Deutschlandtrikot an. Da kann man nicht nein sagen, und natürlich haben wir ein paar Dollars rausgerückt. In der Nacht erleben wir zum ersten Mal den gefürchteten “Culo de Pollo”. Das ist ein Wetterphänomen, das Wolkenformationen aufbaut, die wie ein Hühnerhintern aussehen, und in kurzer Zeit heftige Winde und Turbulenzen verursachen. Dieser finden vorwiegend in den San Blas Regionen statt. Wir werden um 12 Uhr nachts davon geweckt und das Boot dreht sich mehrere Male in alle Richtungen. Zum Glück haben wir unsere Ankerapp, die genau die aktuelle Position anzeigt, und an der man erkennen kann, ob der Anker hält. Eine Stunde später ist der Spuk vorbei, unser glorreicher Anker hat gehalten und das begleitende Gewitter vorbeigezogen. Das war nicht schön, und es dauert bis wir wieder eingeschlafen sind.



Am nächsten Morgen geht es ein Stück rüber nach Puerto Obaldia zum Ausklarieren. Wir ankern vor dem Ort in der Nähe des Armeestützpunktes und landen mit dem Dinghy mehr schlecht als recht am ziemlich dreckigem Strand an. Was anderes gibt es hier nicht. Der Ort ist wegen der nahen Grenze zu Kolumbien ein reiner Grenzort und die Armada entsprechend stark vertreten. Wir gehen zur Immigration, um die Pässe ausstempeln zu lassen. Modern ausgestattet mit elektronischen Fingerabduckscannern und Fotos sind wir nach 5 Minuten durch. Weiter geht es rüber zum Capitano des Hafens, der uns die Fahrtgenehmigung ausstellt. Der Mann ist ausgesprochen nett und macht immer wieder kleine Scherze, die wir mal verstehen und mal auch nicht. Bei ihm sieht es anders aus, Computer oder ähnliches gibt es hier nicht, er muss alles per Hand mit Durschlagpapier ausfüllen. Zum Schluss dann der unangenehmste Teil, rüber zur schwerbewaffneten Armada. Dort werden wir durchgereicht, bis einer zum Schluss ankündigt, unser Boot noch inspizieren zu wollen. Wir sollen zurückfahren und auf ihn warten. Das tun wir den ganzen Nachmittag bis klar ist, der kommt nicht mehr. Eigentlich schade, wir wären gerne noch durch den Ort geschlendert und hätten das drum herum etwas erkundet.




Morgen früh geht es wieder nach Norden bis Cartagena. Die Strecke ist auch gute 150sm lang und wir hoffen Montag Abend noch im Hellen anzukommen.