Niklas kommt ausgesprochen pünktlich nach fast 20h Odyssey in Cartagena an. Wir haben uns zwar erst vor 4 Tagen noch gesehen, freuen uns aber trotzdem wie Bolle. Wir wollen versuchen, seinen 2-wöchigen Urlaub so abwechslungsreich und spannend wie möglich zu machen. Der erste Tag gehört natürlich Cartagena. Wir kommen wegen einem heftigen Gewitter erst später los als geplant. Inzwischen kennen wir uns hier ganz gut aus und machen eine routinierte Stadtführung, die mit einem leckerem Essen in einem schicken Restaurant endet.

Am nächsten Morgen wollen wir uns aufmachen um zur Isla Rosario zu fahren. Dort haben wir auf dem Weg von Panama nach Cartagena geankert weil wir wegen dem schlechten Wetter nicht weiterkamen. Anschauen ging damals nicht weil wir noch nicht die Behörden zur Einklarierung besucht hatten. Die Isla wird vor allem aus Cartagena viel besucht und mit den Schnellbooten sind die Tagesreisenden in einer Stunde da. Das sieht bei uns anders aus. Erstens sind wir sowieso nicht die schnellsten und dann kommt noch ein ausgesprochenes Handicap dazu. Der Rumpf ist durch das 2-monatige Liegen hier im Hafen so extrem zugewachsen, dass der Belag wie eine Bremse wirkt. Statt den normalen 5 Knoten fahren wir kaum 3,5 Knoten. Wenn wir an der Isla angekommen sind, müssen wir dringend mal mit dem Spachtel ran und das gröbste abkratzen. Wind haben wir auch nicht und so dauert es gute 6h bis wir ankommen. Wenigstens fangen wir auf dem Weg noch eine schöne Makrele. Die gibt es morgen zum Abendessen. Wir nehmen den selben Ankerplatz wie letztes Mal wo wir einigermaßen ruhig lagen. Das Wetter ist hier übrigens zum einen extrem wechselhaft, aber zum anderen trotzdem sehr berechenbar. Der Wind kommt ab dem Mittag aus nördlicher Richtung und wird bis zum Abend immer stärker. In der Nacht dreht er dann auf Süd und das gleiche Spiel beginnt von neuem. Nord ist OK, wir sind sehr geschützt aber der Südwind treibt die Wellen in die Bucht und wir werden einige Stunden lang durchgeschüttelt. Man kann fast die Uhr danach stellen. Fleißig wie wir sind nehmen wir uns den Rumpf vor. Es ist der Wahnsinn, so viel Bewuchs hatten wir auf der Reise noch nie. Zum Glück lassen sich die Muscheln ganz gut mit dem Supergroßen Spachtel abschaben. Nach einer Stunde haben wir die eine Hälfte geschafft. Die andere Seite kommt morgen dran.

Wir sind sehr gespannt, was die Insel zu bieten hat, und fahren mit dem Dinghy rüber an einen öffentlichen Steg. Die Dame vom Restaurant nebenan will uns erstmal dort vertreiben, aber nachdem wir versichern, bei ihr was zu trinken, dürfen wir doch bleiben. Wir gehen einmal quer über die Insel zu einem Strand und sind fasziniert. Es gibt nur naturbelassene Wege und keine Autos oder Mopeds. Es gibt einige kleine Anlagen für Touristen, und alles ist sehr gepflegt und die Gärten hübsch angelegt. Bald erreichen wir den Manta Beach auf der nördlichen Seite, wo die ganzen Schnellboote aus Cartagena mit den Tagestouristen ankommen. Hier ist es auch nett, weiße Strände wie in der Karibik halt, und das übliche Verwöhnprogramm mit lauter Musik und coolen Cocktails. Wir gehen eine Stück weiter und finden ein ruhiges Plätzchen, von dem Niklas und Natascha zu einem Schnorchelspot schwimmen. Es gibt einige Fische, aber die Korallen sind hier leider ziemlich am Ende. Nach so viel Erlebnis brauchen wir erstmal einen Lunch und landen in der Bar von Steve, wo es lecker Chicken gibt. Am Nachmittag kommt dann die andere Bootsseite dran. Auryn hat nun zwar keinen schönen Rumpf, aber wir kommen hoffentlich mit halbwegs üblicher Geschwindigkeit wieder zurück. Heute haben uns übrigens auch die Fische entdeckt, die während der Abkratzens um uns rumgeschwärmt sind.

Unser 2. Ausflug auf die Insel führt uns auf die westliche Seite der Isla Rosario. Auf dem Weg dorthin kommen wir durch das einzige Dorf auf der Insel, namens Orika. Die Häuser sind meistens aus roten Ziegeln gebaut, und Strom, der nicht nur aus Generatoren kommt, gibt es auch. Es ist vom Standard alles recht einfach, aber schön, und die Leute machen einen zufriedenen und entspannten Eindruck. Zu uns sind auch alle nett, fragen schon mal, wo man herkommt und ob wir was trinken möchten.

Zum Abschluss des Tages gibt es ein absolutes Highlight. Pablo Escobar besaß auf dieser Insel ein Anwesen, was seinesgleichen gesucht hat. Es steht direkt am Meer, kurz hinter dem Dorf, und ist seit seinem Tod 1993 dem Verfall ausgesetzt. Es gab angeblich über 300 Betten, Hubschrauberlandeplatz und allen Luxus, den man sich vorstellen kann. Die Partys, die er dort mit seinen Kollegen abgehalten hat, sollen legendär gewesen sein. Auf das Grundstück kann man von der Straße nicht drauf, dort scheint alles verriegelt zu sein. Was also tun? Wir nähern uns erstmal von der Seite, wo ein schöner kleiner Strand ist. Von dort schwimmen wir rüber, bis wir vor dem Anwesen sind. Keiner zu sehen, also klettern wir eine kleine Mauer hoch und schon sind wir drinnen. Es ist völlig irre, ein Lost Place vom allerfeinsten. Vorne an ist der Pool vor dem Hauptgebäude. Alles ist offen, aber wir trauen uns wegen der extremen Baufälligkeit nicht weit hinein. Man kann um die Gebäude in der vorderen Reihe herum gehen und kommt dahinter zu einigen Gebäuden, die schon ein gutes Stück vom Urwald verschlungen wurden. Auf der rechten Seite sind einige Innenhöfe, die damals ausgesprochen schick gewesen sein müssen. Wir versuchen uns vorzustellen, wie es wohl war, wenn die Drogenhighsociety Partys gegeben hat und das ein oder andere Geschäft abgewickelt wurde. Das so etwas verwahrlost, ist schon verrückt, aber wahrscheinlich gab es politische Gründe, dass sich keiner drum kümmern wollte.

Morgen fahren wir wieder zurück nach Cartagena und fliegen am Freitag nach Medellín. Von dort geht es dann etwa 2 Wochen durch das Landesinnere von Kolumbien.

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