Es wird Zeit aus der großen lauten Stadt hinauszukommen, und so machen wir uns auf in das 240km südlich gelegene Kleinstädtchen Salento. Diese 240km haben es allerdings in sich. Ich glaube ich bin noch nie im Leben an einem Tag so viele Kurven durch Berge gefahren wie heute. Obwohl die Straßen im Prinzip in sehr gutem Zustand sind, kommt man durch das rauf und runter nur langsam voran. Gegen Nachmittag zieht dann ein ausgewachsener Sturm durch, und um uns herum fallen Bäume auf die Straße. Ganz schön Spooky. Dann fahren wir durch Pereira durch, welches bei dem Erdbeben vor 6 Wochen extrem getroffen wurde. Es gab durch einstürzende Gebäude viele Tote. Man sieht davon von der Hauptverkehrsstraße aber erstaunlich wenig. Ab und an mal beschädigte Gebäude aber das meiste scheint schon weggeräumt worden zu sein. Das Leben geht hier anscheinend wieder seinen gewohnten Gang. Und so kommen wir erst im Dunklen an, finden unser Apartment aber auf Anhieb. Salento ist ein buntes Kolonialstädtchen und lebt ein gutes Stück vom Tourismus. Entsprechend gibt es ein großes Angebot an Restaurants die sich zwischen den vielen kleinen bunten Häusern in angenehmen Ambiente präsentieren. Noch schnell was essen gehen und dann ab ins Apartment aufs Sofa.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf zur Kaffeefarm Las Acacias. Es geht über 3,5km aus der Stadt einen wunderschönen Weg hinunter ins Tal. Die Farm ist spektakulär am Hang angelegt und bekannt dafür gute Touren anzubieten. Viele Leute sind nicht hier und wir müssen noch ne Stunde warten bis der Guide für die englischen Touren Zeit hat. Das lässt sich mit ner Tasse hauseigenem Kaffee und Kuchen gut überbrücken.

Unser Guide ist Christian und wir machen uns auf in die Hänge der Plantage. 10 Minuten später ist es auch schon wieder vorbei weil sich ein ausgewachsenes Gewitter entlädt. Kein Problem dann trinken wir halt noch ein Tässchen. Eine Stunde später geht es weiter, und unsere Gruppe ist noch um ein paar Leute angewachsen. Christian erklärt die schwierigen Randbedingungen für die kolumbianischen Kaffeebauern in der Weltwirtschaft und Daten und Zahlen der Ernte. Am meisten leiden die Farmen an dem ausbleibendem Regen. Wegen El Niño ist es dieses Jahr besonders schlecht. Diese Kaffeefarm ist eher klein und produziert nur 4-5 Tonnen im Jahr der hauptsächlich an lokale Läden und Touristen verkauft wird. Wir dürfen auch etwas Kaffee pflücken und pflanzen unsere persönliche Kaffeebohne ein. Für einen Espresso braucht man etwa 80 Bohnen.

Und so geht der Prozess zum gemahlenen Kaffee nach der Ernte. Erst wird in einer Maschine die Bohne aus der Frucht gequetscht, dann wird sie gewaschen und in der Sonne getrocknet. Anschließend wird sie geröstet wobei das die Großkunden meist selber machen.

Am nächsten Tag geht es ins berühmte Valle de Cocora. Das ist ein malerisches Tal in dem die höchsten Palmen der Welt wachsen. Das sind Wachspalmen die bis zu 60m hoch werden können, und mehrere hundert Jahre alt werden. Die heißen so weil sie auf ihrem Stamm Wachs bilden aus dem früher auch Kerzen hergestellt wurden. Der Eingang des Tals ist wirklich hübsch angelegt und wirkt sehr gepflegt. Es gibt viele Pflanzen inmitten grüner Wiesen. Wir entscheiden uns für einen 5,5km langen Rundweg der an mehreren Aussichtspunkten vorbeiführt und bis auf 2.600m hoch führt. Wirklich spektakulär, immer wieder ziehen Wolken in das Tal hinein und verändern das Licht. Völlig begeistert sind wir von einem Andenkondor, der majestätisch über uns ein paar Runden dreht und sich anschließend auf einer Palme niederlasst. Er gehört zu den größten Vögeln der Welt. Heute jagt aber auch ein Superlativ das nächste.

Morgen fahren wir weiter nach Bogota. Da bleiben wir aber nur einen Tag und bringen Niklas am Samstag zum Flughafen.

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