Diesen Titel hat Medellin vor Jahren verliehen bekommen. Warum das so ist wollen wir herausfinden und machen uns auf den Weg. Da wir noch vor der Isla Rosario liegen, heißt es zum ersten Mal Anker auf mit der neuen Winde. Geschmeidig wie Butter kommt der Anker hoch und wir tuckern und segeln die 20sm zurück nach Cartagena. Wir haben wieder den alten Platz im Hafen und würgen uns mit Ach und Krach bei Windstärke 4-5 rückwärts hinein. Es gibt noch einiges vorzubereiten und zu packen. Der Flieger nach Medellin geht schon um 7.15 Uhr.

Entsprechend früh stehen wir auf, haben einen schönen Flug über die Berge mit einer gigantischen Aussicht auf die Stadt. Bis zur Abholung des Koffers verläuft alles problemlos aber dann…. Als er vom Band läuft ist die Seitentasche auf und leer. Es fehlen Kulturbeutel, Ladekabel, Adapter und der Rasierapparat. Schöner Mist, wir versuchen jemanden von der Fluggesellschaft zu erreichen was nicht funktioniert. Das einzige Büro ist leer und die Schalter völlig überlaufen. Wir warten einige Zeit aber es gibt keine Chance, wir können die Sachen wohl abschreiben. Das ist wirklich das erste Mal, dass uns auf der Reise was geklaut wurde. Dafür klappt die Automietung einwandfrei, wir bekommen eine Art VW Polo. Was zuerst auffällt ist das superangenehme Klima, da die Stadt auf 2000m liegt. Man nennt sie auch die Stadt des ewigen Frühlings.

Da es noch früh am Tag ist, beschließen wir zuerst einen Ausflug nach Guatape in der Nähe von Medellin zu machen. Dort gibt es einen berühmten Felsen, auf den man über 740 Treppenstufen hoch klettern kann. Um den Felsen herum ist es entsprechend touristisch mit vielen vielen Leuten und Angeboten von allem, was man als Tourist so nicht braucht. Wir finden allerdings ein nettes Restaurant mit Ausblick auf die Seenlandschaft um den Felsen herum. Der Aufstieg ist wirklich anstrengend, aber alle anderen Leute, die hier sind klettern auch hinauf. Warum sollen wir es dann nicht schaffen. Dafür wird man dann auch mit einem außergewöhnlich tollen Blick belohnt. Die Fotos sprechen für sich. 

Anschließend fahren wir noch ein kleines Stück in den Ort Guatape der sich bunt und belebt präsentiert. Es gibt eine kleine Altstadt mit Kopfsteinpflaster und vielen Shops. Hier ist es nett, wir schlendern die Stadt runter, gehen noch einkaufen und machen uns dann auf den Weg nach Medellin. 

Wir haben ein kleines Apartment in Laureles gemietet, ein Stadtteil der als recht sicher gilt. Die Fahrt durch die Stadt ist im Feierabendverkehr grenzwertig. Jeder fährt wie er will nach dem Motto der stärkere gewinnt. Am schwierigsten ist es allerdings mit den 1 Million Mopeds. Die fahren noch viel mehr wie sie möchten, und kommen wie die Fliegen permanent an einem vorbei geschossen. Man traut sich überhaupt nicht die Spur zu wechseln, da man fast jederzeit einen wegrammen würde. Unser Apartment ist übrigens nicht schlecht, die Gegend wird von Security bewacht die hier nachts durch die Straßen schlendern.

Medellin ist die zweitgrößte Stadt Kolumbiens mit 2,5 Millionen Einwohnern. Berühmt berüchtigt ist die Stadt vor allem noch aus den Achtziger und Neunziger Jahren, in denen hier das weltweite Mekka des Drogenhandels organisiert wurde. Herrscher der Stadt war damals Pablo Escobar. In den Jahren nach seinem Tod 1993 wurde noch viele Jahre um seine Nachfolge zwischen den verschiedenen Kartellen gekämpft. Das berüchtigtste Viertel war damals die Comuna 13 die inzwischen in einen touristischen Hotspot verwandelt wurde. Dieser Stadtteil steht exemplarisch für den Wandel, den die Stadt zu Beginn des 21. Jahrhunderts durchgemacht hat. Deshalb hat sie auch den Titel innovativste Stadt der Welt bekommen. Sie gilt inzwischen als deutlich sicherer als viele US amerikanische Großstädte.

Wir beginnen den Tag mit einem Spaziergang durch Laureles und suchen eine Farmacia um die fehlenden Sachen aus dem Badebeutel wieder zu kaufen. Viel ist hier samstags morgens nicht los aber wir finden ein paar hübsche Märkte und Parks.

Am Nachmittag geht es per Uber rüber in die angesprochene Comuna 13. Da die Geschichte umfangreich und wichtig ist, wird empfohlen, eine geführte Tour zu machen da man sonst nur das bunte Treiben mitbekommt und nichts erfährt. Auf unserer Tour, die von Juan geleitet wird, sind etwa zehn Leute dabei. Juan ist selber hier aufgewachsen und kennt sich bestens aus. Man merkt ihm an, dass er seinen Job mit Leidenschaft macht. Der Stadtteil liegt in einen großen Hang in den Berg hinein gebaut. Schon unten am Beginn lebt das Chaos und rege Treiben. Händler überbieten sich im lauten Anpreisen ihrer Waren. Die Comuna 13 gilt inzwischen als der meistbesuchteste Ort Kolumbiens. Juan erklärt erstmal mit welchen Methoden die Armee zu Beginn der 2000er Jahre hier anfing für Ordnung zu sorgen. Es gab massenhaft Erschiessungen, und nicht nur Guerilleros kamen ums Leben. Es gab unzählige zivile Opfer. Von diesen Einsätzen der Armee gab es in den nächsten Jahren insgesamt 14. Als die Banden im wesentlichen als besiegt galten, fing die Entwicklung des Stadtteils an. Es wurden zum Beispiel Rolltreppen in den Berg gebaut, und Möglichkeiten geschaffen für die Leute an Touristen Geld zu verdienen. Es ließen sich viele Künstler nieder die wunderschöne Gallerien eröffneten. Ebenso auffällig sind die Murals an den Hauswänden. Auch die Leute, die jetzt nicht direkt an den Touristen Geld verdienen, sind sehr freundlich zu uns, und grüssen oft nett. Unsere Tour geht 3h und wir sind danach vom Berg rauf und runter laufen und von den wilden Eindrücken ganz schön geschafft.

Da Medellin so viele Berge rundherum hat, gehörten zu den Innovationen auch mehrere Seilbahnen die von der Stadt in die Wohnviertel hinauffahren, vor allem in die Armenvierteln. Da von hier auch eine abgeht fahren wir spontan hinauf über die Häuser hinweg. Von oben gibt es eine grandiose Aussicht auf die Stadt.

Den Sonntag lassen wir nach den vielen Eindrücken erstmal locker angehen und frühstücken ausgiebig. Dann geht es per Uber in den Stadtteil El Poblado den wir durchschlendern. Wir landen mitten in einem Laufwettbewerb der die gesamte Hauptstraße rauf und runtergeht. Das Viertel ist noch etwas moderner als Laureles mit vielen Boutiquen und abgesperrten Straßen in den Cafés und Restaurants zum gemütlichem Sitzen einladen. Zwischendurch sind immer wieder kleine hübsche Parks in denen erstaunlich wenig los ist. Warum erfahren wir übrigens am Nachmittag.

Sehr berühmt ist in Medellin der botanische Garten. Also fahren wir mit der Metro in den Norden der Stadt und wollen ein wenig im Grünen entspannen. Das klappt leider überhaupt nicht, weil in dem Park ein großes Buch und Kulturfest stattfindet. Es sind hunderte von Buden mit Büchern und Bühnen mit Musik und Schauspiel aufgebaut, und gefühlt ist jeder Einwohner aus Medellin hier. Es ist so unglaublich voll, dass wir nach 1 Stunde ziemlich überfordert die Flucht ergreifen. Eigentlich ist es ein wirklich tolles Fest, aber wir können mangels besserer Spanisch Kenntnisse damit nicht so viel anfangen.

Morgen fahren wir weiter in den Süden nach Salento.

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