
Auf den Spuren von Gabriel García Márquez
Auf dem langen Weg zurück nach Medellin leiden wir beide noch an unserem Magen-Darm-Infekt und müssen unterwegs den ein oder anderen Notstopp einlegen. Die letzte Nacht verbringen wir in einer Cabana kurz vor dem Flughafen. Da wir erst im Dunklen ankommen, können wir es kaum genießen. Beim Einchecken am Flughafen gibt es noch eine kleine Krise mit den Damen vom Check-in-Schalter. Der Flug ist nämlich überbucht und wir sollen erstmal auf Standby warten, ob wir überhaupt mitkönnen. Ja ne, das geht jetzt gar nicht, wir machen einen für unsere Verhältnisse großen Aufstand und weigern uns, den Schalter zu verlassen, bis ein Manager kommt. Die kommt dann auch irgendwann und Zack haben wir unsere Bordingpässe. Ab dann läuft aber alles glatt und wir sind am Abend wieder an Bord, wo auch alles wie erwartet ist, inklusive der Hitze.
Für den nächsten Morgen hatte ich bei Javier zwei Gewerke bestellt. Als Erstes kommt ein Rumpfreiniger, der mit einem Tauchapparat den Rumpf deutlich besser sauber bekommt als Niklas und ich vor 2 Wochen. Da wir jetzt einige Meilen vor uns haben, ist das schon wichtig, dass wir auch die gewohnte Geschwindigkeit hinbekommen. Kurz danach kommt dann Juan Carlos mit seinem Team, die einen Riggcheck und die Einstellung der Wanten vornehmen. Die haben spezielle Geräte, die die Spannung der Wanten messen können. Die Einstellung ist überfällig. Ich habe es zwar selber ein paar Mal nachgestellt, aber nur nach Gefühl. Die machen das wirklich professionell und ordentlich. Juan Carlos meint, die vordere Gabel, die das Vorstag hält, würde er austauschen, weil die schon ganz schön ramponiert aussieht, inklusive der Bolzen. Da kann man schlecht Nein sagen: Wenn das Dingen bricht, fällt der Mast in einer Zehntelsekunde nach hinten und es ist Feierabend. Ich frage ihn, ob er in dem Zuge auch gleich die Furlex (die Rolle, mit der unser vorderes Segel raus- und reingeholt wird) warten kann. Die ist schon seit einiger Zeit sehr schwergängig. Die Kollegen kommen am nächsten Tag wieder und erledigen es an einem Vormittag. Für den Umbau müssen die den Mast noch mal lösen, um vorne die Spannung rauszunehmen, was ich mir selber nicht zutraue. Super, jetzt können wir die nächsten Etappen guten Gewissens in Angriff nehmen, zumindest was das Rigg angeht.






So, alles zum Abfahren bereit, nur der Wind ist noch nicht da. Wir verschieben die Abfahrt von Dienstag auf Mittwoch. Also gibt es noch mal einen letzten kulturellen Punkt in Cartagena. Wir wussten bis vor Kurzem nicht, dass am Rande der Altstadt das Grab von Gabriel García Márquez ist, dem Jahrhundertschriftsteller aus Kolumbien. Dort müssen wir natürlich noch hin. Es befindet sich im Hof einer Zweigstelle der Universität von Cartagena. Es ist in der Mitte des kleinen Platzes und wird von einer Büste geziert. Drum herum ist eine Ausstellung zu dem Schriftsteller mit Zeitstrahl, jeder Menge Infos und Fotos aus seinem bewegten Leben. Komischerweise befindet sich hier nur die Hälfte seiner Asche. Die andere Hälfte ist in Mexico City. Es ist ein sehr hübscher, ruhiger Ort. Man kann wegen einer Absperrung leider nicht ganz an das Grab heran.



Wir legen aus der Marina ab und gehen noch eben tanken. Danach geht es in das Ankerfeld neben der Altstadt, wo etwa 10 andere Boote bereits liegen. Wir haben in der Marina schon latent ein wenig unter den unglaublich lauten Partybooten gelitten, aber was wir hier erleben, haut einem buchstäblich das Trommelfell aus den Ohren. Eines nach dem anderen fährt direkt an uns vorbei und wenn mal keines da ist, brüllt der Lautsprecher der Bar an der Uferpromenade. Wir hoffen nur, dass die nachher mal aufhören und etwas ruhiger werden. Es ist heute nicht etwa Wochenende, sondern ein normaler Dienstagabend. Wahrscheinlich ist es für den etwas besser betuchten Kolumbianer das Feierabendbierchen.
Unser nächstes Ziel ist Santa Marta. Es geht die Küste hinauf, die Strecke ist 105sm lang und sollte gute 24h dauern. Die Richtung ist Nord Ost und das ist bei dem vorherrschenden Ost Wind nicht ganz einfach. Es sieht für Morgen so aus, dass wir die ersten Stunden segeln können, danach wird bestimmt 10 oder mehr Stunden motort und dann können hoffentlich wieder die Segel ran. Wir sind gespannt, es kommt sowieso anders, die Frage ist nur wie.


