Bevor es soweit ist, haben wir aber noch ein gutes Stück zu segeln. Es geht von den Bocas nach Osten bis in die Mitte von Panama. Dort gibt es die zweitgrößte Stadt des Landes, Colon, und den Eingang des Panamakanals. Die Welle wird im Laufe der Fahrt angenehmer, und nach einer längeren Motorstrecke von 8 h kommt der Wind deutlich besser als vorhergesagt. Auf der Fahrt haben wir Besuch von einer Rauchschwalbe. Das sind kleine Zugvögel, die bekannt dafür sind, sich auf durchfahrenden Schiffen auszuruhen. Fressen tun die ausschließlich Insekten, womit wir leider nicht dienen können. Die Schwalbe verkriecht sich im Cockpit unter den Rettungswesten und scheint zu schlafen. Ja, und am nächsten Morgen ist sie leider nicht mehr am Leben, sehr traurig. Wir können gemütlich durch die Nacht bis fast vor die äußere Einfahrt des Kanals durchsegeln, wo wir zu angenehmer frühabendlicher Zeit eintrudeln. Es ist schon der Wahnsinn, wie viele duzende große Frachter hier vor Reede liegen, um auf ihren Transit zu warten. Wir ankern im riesigen Wartebereich neben der berühmten Shelter Bay Marina. Die ist deshalb so berühmt, weil das hier für alle Yachten, die durch den Kanal wollen, die Absprungrampe ist. Am nächsten Tag kommt die Santamaria Australis mit Wolf und Jeanette, die wir schon mehrmals getroffen haben, aus der Marina und ankert neben uns. Sie haben heute ihren Termin und warten auf den Advisor, der sie durch den Kanal begleitet. Wir fahren noch rüber, um uns von den beiden zu verabschieden.

Ansonsten ist der Ankerplatz hier mehr als mäßig, die Welle kommt genau durch die Einfahrt des Bereichs und sorgt für permanentes Hin- und Herschaukeln. Wir haben jetzt einen Platz in der Marina am Dienstag für eine Woche gebucht. Dann können wir noch nach Panama City für ein paar Tage, und dort dann Marlene abholen. Bordprojekte gibt es natürlich auch so einige. Zum Beispiel bauen wir die Windfahne erstmal ab, da wir in naher Zukunft keine weiten Strecken mehr haben, wo wir sie einsetzen müssten. Dafür können wir das Beiboot wieder hinten aufhängen, was uns bei dem vielen Hochholen deutlich entlastet.

Rüber geht es also in die Marina, und wir sind wirklich froh, mal wieder etwas zusätzlichen Luxus zu genießen, wie schaukelfrei schlafen, Duschen ohne auf den Wasserverbrauch zu achten oder einem kleinen Shop, wo es morgens um die Ecke frische Baguettes gibt. Die Marina liegt direkt am Urwald, den wir natürlich auch gleich erkunden. Ein Weg führt uns zu alten Geschütz- und Bunkeranlagen aus den 60ern, die komplett vom Urwald eingenommen wurden. Da erwartungsgemäß die Viecher hier zahlreich und hungrig auf Menschenblut aus sind, halten wir nicht lange durch und flüchten bald wieder. Abends treffen wir uns mit Petra und Bernd von der Joline, die Ende des Jahres durch den Kanal wollen.

Da Marlene bald bei uns einzieht, muss umgeräumt werden. Unsere vordere Kabine ist unsere Abstellkammer, und für alles muss ein alternativer Platz gefunden werden. Bei der Gelegenheit wird mal richtig durchgeputzt.

Am nächsten Mittag fahren wir nach Panama City. Die Marina bietet zweimal am Tag einen Bringdienst zum Busbahnhof nach Colón an. Von dort fährt dann der Expressbus quer durchs Land zum Pazifik bis in die Hauptstadt. Bernd und Petra sind auch dabei, und wir fahren zusammen mit dem Uber in die Altstadt Casco Viejo. Dort essen wir noch zusammen, bevor wir zu unserem Hotel gehen. Abends genießen wir noch die Skyline von Panama City.

Panama Citys Sehenswürdigkeiten sind überschaubar. Da ist vom Kanal abgesehen eigentlich nur die Altstadt und noch ein Aussichtshügel in der Nähe sehenswert. Der Rest ist für die Touristen eher unsicheres Terrain, und so konzentrieren sich die meisten auf diese Gegend. Wir bestellen uns einen Uber und fahren für schlappe 2,97 USD zum Fuße des Hügels Ancon. Dort gibt es ein paar nachgebaute Dörfer der unterschiedlichen Kulturen (Guna Yala, die Schwarzafrikaner und die spanischen Eroberer) im Land. Es werden ein paar Häuser und Hütten gezeigt, leider fehlen jegliche Erklärungen oder Ähnliches. Von dort gehen wir dann 1 Stunde den Berg hinauf und haben eine großartige Aussicht auf den Panamakanal und die Altstadt. Sehr anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Wir sehen diesmal sogar ein Faultier im Baum hängen. Den Nachmittag schlendern wir ziellos durch die Altstadt und shoppen etwas hier und etwas dort. Das macht Spaß, die Atmosphäre ist nett.

Der Weg zum Flughafen mit Öffentlichen ist relativ unkompliziert. Wir laufen erst ein Stück durch die Stadt und müssen noch 1 Mal umsteigen, bis wir am Tocumen International Airport ankommen und Marlene abholen. Die Freude ist riesig, wir haben uns seit letztem Jahr September nicht mehr gesehen. Zusammen machen wir uns auf den langen Weg durchs Land zum Atlantik und kommen gut bei Auryn an. Morgen und Übermorgen machen wir übrigens was sehr sehr Spannendes, aber davon berichten wir nächstes Mal.

2 Antworten zu “Marlene in Panama”

  1. Wir raten mal: Ihr habt sicher den Job der Handliner übernommen und wollt schon mal die Kanal-Passage erleben??
    Herzliche Grüße aus dem sommerlichen Brandenburg.

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