
Vom Atlantik zum Pazifik
Da wir entschieden haben, erstmal nicht durch den Panama-Kanal zu fahren, wäre es doch ganz nett, zumindest mal als Linehandler mitzufahren. Jedes Segelboot, das durch möchte, braucht dafür 4 Leute, an jeder Ecke einer. Wir haben uns in einer WhatsApp-Gruppe angemeldet, wo man so etwas anfragen kann. Kaum gemacht, kommt schon die Antwort von Sam, der 3 Leute braucht. Da es auch erst Sonntag losgeht, ist es perfekt, weil dann auch Marlene dabei sein kann. Und ebenso perfekt ist, dass wir auf einem sehr extravaganten, riesigen Katamaran fahren werden, einer Sunreef 60 Eco. Die Sunreef ist rundherum mit Solarpanelen ausgestattet und hat 2 Elektromotoren.
Der Panamakanal ist 82 km lang und wird durch die schmalste Stelle in Mittelamerika geführt. Am Anfang kommen 3 Schleusen direkt hintereinander, die 26 m höher in den Gatunsee führen. Das heißt, jede Schleusenkammer bringt einen 8–10 m nach oben oder unten. Durch den Gatunsee und einige Kanäle und Flüsse kommen dann noch einmal 3 Schleusen, die uns wieder hinunter auf Meereshöhe bringen. Geöffnet wurde er schon 1914 und vor 10 Jahren noch einmal durch Parallelschleusen erweitert, um die inzwischen noch dicker gewordenen Tanker hindurchzubekommen.
Der Name unseres edlen Gefährts ist B3 und der Eigner ist ein polnischer Investor für finanzstarke Fonds. Wir überlegten schon, wie Sam es mit seinen 25 Jahren geschafft hat, sich so ein Schiff zu leisten, aber er ist nur der Kapitän. Seine Freundin Ruby ist die Frau für alles an Bord und schmeißt bis auf Bootstechnik und Navigation den gesamten Laden. Ähnlich wie bei uns kann man sagen. Der Eigner kommt nur ab und an vorbei und ist auch bei der Kanaldurchfahrt nicht an Bord. Das gehört schon in die Kategorie Traumjob wenn die beiden ständig mit dem Katamaran alleine durch die Gegend fahren können und den Chef nur zeitweise an Bord haben. Wir werden von Sam um 15.00 Uhr abgeholt, da sie vor dem Hafen ankern. Pünktlich kommt eine halbe Stunde später der Advisor Augustin, der das übergeordnete Kommando an Bord hat. Kein Boot darf alleine durchfahren, die überlassen hier nichts dem Zufall. Um 16.00 Uhr geht es schon in die erste Schleuse, vor uns ist noch ein dicker Pott. Jetzt kommen die Linehandler zum Einsatz. Marlene und Ruby übernehmen die beiden Ecken im hinteren Bereich und wir beide sind vorne. Jeder Linehandler bekommt seinen Leinenführer, der einem vom Rand der Schleuse einen Ball mit Leine zuwirft. Den knotet man dann an sein dickes Tau und wenn der Haltepunkt in der Schleuse erreicht ist, zieht er es zu sich rüber und belegt den Poller damit. Unsere Aufgabe ist es, wenn wir in den Schleusen steigen, immer die Leinen nachzuziehen und die Spannung zu halten. Es ist nicht schwer, nur beim Anfahren aus der Schleuse heraus muss es schnell gehen, die Leine zurückzuholen.








Wir müssen nach den 3 Schleusen noch ein ganzes Stück durch den Gatunsee fahren, bis es stockdunkel ist. Zum Glück ist die rot-grüne Betonnung sehr gut. Wir müssen am Rand des Kanals an einer großen Tonne festmachen, und der Advisor wird von einer Crew abgeholt. Morgen Mittag soll es weitergehen. Wir bekommen eine ausgesprochen schicke Kabine mit allem Zip und Zap, besonders gut ist natürlich die Klimaanlage.





Pünktlich kommt am Mittag die Advisorin Paula an Bord. Das ist bemerkenswert, weil von den über 300 Advisorn nur 6 Frauen dabei sind. Wir sind diesmal mit einem anderen noch dickeren Pott in der Schleuse. Rechts und links hat er weniger als 1 m Platz. Es geht bei uns inzwischen sehr routiniert, und flott sind die 3 letzten Schleusen absolviert, bevor sich das Tor zum Pazifik öffnet. Echt toll, wir haben es geschafft und verholen in die Marina nur wenige Meilen hinter der berühmten Puente (Brücke) de las Américas. Die beiden haben uns angeboten, noch eine Nacht zu bleiben, aber da wir weiter möchten, fahren wir noch mit dem Uber zurück zur Shelter Bay Marina. Morgen soll es schließlich schon Richtung San Blas Inseln gehen.





