So, die letzte lange Etappe vor der Sommerpause steht an, das wunderbare Cartagena ruft. Wir stehen wie immer früh auf und holen den Anker hoch. Die ersten 5h wird der Jockel gequält, bis gegen Mittag, dann der versprochene Wind pünktlich einsetzt. Es ist die nächsten 10h sportliches Segeln mit anständiger Schräglage, und wir kommen gut voran. Früher als gedacht ist der Wind dann auch wieder weg, und es wird weiter Diesel verbrannt. Die Nacht geht flott rum, und wir können hier und da ein paar vereinzelte Stunden noch mal Segel setzen. Am frühen Nachmittag kommt dann ein nördlicher Wind deutlich zu früh und viel stärker als gedacht. Vor uns baut sich eine Welle auf, gegen die wir nicht ankommen. Also Abbruch mit dem Ziel, heute noch Cartagena zu erreichen, und wir finden eine Stunde entfernt einen gut geschützten Ankerplatz vor der Isla Grande, und schmeißen den Anker auf entspannte 4 m. Leider leider sind wir noch nicht eingereist, und daher dürfen wir das Boot nicht verlassen. Die Isla scheint wunderschön zu sein mit viel ursprünglichem Leben, schönen Stränden und Wanderwegen. Vielleicht schaffen wir es noch vor der Weiterfahrt hier vorbei zu kommen und sie anzuschauen. Am nächsten Morgen geht es weiter, und wir wollen uns ranhalten, da am Nachmittag Kolumbien gegen die Schweiz spielt, was wir uns in einer Kneipe anschauen wollen. Uns wurde gesagt, dass ab Mittag kein Mensch mehr arbeiten wird. Pünktlich da zu sein wird uns leider von der Armada verhagelt, die uns anhalten und erstmal eine Bootskomplettdurchsuchung veranstalten. Man muss ihnen zugute halten, dass sie sehr nett sind, und der Comandante kann auch etwas Englisch, sodass wir auch über Fußball reden können. Die ganze Aktion dauert über eine Stunde. Etwas Irritation hat ein Päckchen mit weißem Pulver erzeugt. Das sieht original aus wie Kokain, aber die haben uns geglaubt, dass es Borax ist, was wir gegen die Ameisen an Bord einsetzen. Endlich geht es weiter und wir kommen eine Stunde vor Spielbeginn am Ankerplatz in der Stadt an. Schon von weitem beeindruckt die Skyline, aber leider nicht der Ankerplatz. Es ist tief, schwubbelig und jede Menge Boote fahren mit Highspeed an einem vorbei.

Egal, wir machen alles fertig, der Skipper zieht noch sein gelbes Shirt an, und los geht es in die Kneipe. Uns wurde ein bayrisches Pub empfohlen, in dem es Paulaner gibt, und der Bär tobt. Das Spiel ist eher langweilig, und wir quälen uns mit Unterstützung von eben jenen Paulanern bis ins Elfmeterschießen. Die Stimmung ist bis dahin einmalig, es wird gebrüllt, geweint, mit Tröten getrötet und die Leute sind echt gut drauf. Leider haben die Kolumbianer, wie auch die Deutschen, das Elfmeterschießen nicht drauf, und die Schweiz kommt eine Runde weiter. Die junge Frau neben mir bricht in herzzerreißende Tränen aus.

Wir treffen uns nach dem Spiel vor der Kneipe mit Jose, unserem Agenten, der für uns die Einklarierung macht. Da wir bzw. Auryn mehr als 3 Monate im Land bleiben, muss es temporär eingeführt werden. Der Prozess ist aufwändig (und teuer) und kann nur von einem Agenten gemacht werden. Dann geht es weiter rein in die Altstadt, in der tausende Leute mit gelben Trikots rumlaufen und Party machen. Ich weiß nicht, wie die Stimmung wäre, wenn Kolumbien gewonnen hätte. Es ist einmalig und macht total viel Spaß. Die Stadt selber wollen wir uns die Tage noch mal genauer anschauen, aber auf den ersten Blick kann man sich hier ein paar Tage sehr wohlfühlen.

Am nächsten Morgen steht das letzte Ankeraufmanöver mit der alten Winde an. Was sind wir froh, wenn das Elend ein Ende hat und wir die neue Winde eingebaut haben. Das Problem sind immer die letzten Meter, wo der Skipper händisch mitzieht, um die Winde zu entlasten. Wir fahren nur ein Stück rüber zur Marina und sollen uns auf Kanal 71 per Funk melden, dass wir in unseren Liegeplatz eingewiesen werden. Das ist ein Standardvorgang, nur anscheinend nicht hier. Es meldet sich nämlich keiner und wir machen halt an einem freien Steg außen fest, um jemanden zu suchen, der uns den Liegeplatz zuweist und uns hilft. Kaum stehen wir da, kommt der Hafenmeister an und brüllt, wir dürfen dort nicht stehen. Ich frage ihn, warum er nicht auf Funk reagiert, aber er meint, er habe nichts gehört. Ziemlich unverschämt, das fängt ja gut an, aber wird auch gleich noch besser. Der Liegeplatz hat hinten Pflöcke wie in Holland, nur dass die extrem hoch sind und man keine Chance hat, ein Seil darum zu werfen. Es kommt einer der Marineros mit an Bord, aber auch der quält sich und schafft es erst im dritten Anlauf. Ich bin inzwischen auf 180 und lasse den Chef der Marina kommen. Der Platz ist auch nicht wie versprochen, weil man an der Seite nur sehr schlecht aussteigen kann. Der Chef hält aber auch nur das Seil und tut so, als hätte er mit der Sache nicht viel zu tun. Wir sind jetzt seit über 2 Jahren unterwegs und haben in etlichen Marinas eingeparkt, aber so ein Chaos hatten wir noch nicht. Endlich stehen wir gut vertäut und die Skipperin hat sich von dem ganzen Action einen Hexenschuss eingefangen und muss erstmal kürzer treten. Am Nachmittag kommt noch Jose und bringt uns die Pässe zurück und wir ruhen uns erstmal aus.

Auryns Platz für die nächsten 2 -3 Monate

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