
Mit Ach und Krach nach Aruba
Der Morgen fing so richtig schön an, wir frühstücken gemütlich und fahren dann an die Tanke, Diesel bunkern. Wer weis, wieviel wir brauchen werden. Seit Monaten schon überlege ich, wie man die Tour angehen sollte, das Wetter verspricht zumindest halbwegs machbare Bedingungen. Der erste Tag ist eine Mischung aus Motor an und zwischendurch immer wieder ein paar Stunden segeln. Einige Male reinreffen und ausreffen, wie immer. Eigentlich bis hierhin alles ganz ok. Auch die beiden Gewitter, die am Mittag rechts und links vorbeiziehen, machen uns nur wenig nervös. Kurz nach den Gewitter kommt dann aus dem Nichts eine Starkwindphase hereingebrochen und wir haben Mühe, das Boot unter Kontrolle zu halten und die Segelfläche zu verkleinern. Und so dümpeln wir mit 4kn im Schnitt in die sehr dunkle Nacht.
Auch der 2. Tag geht so weiter, Motor an, Motor aus. Segel setzen und wieder rein damit. Das Großsegel lassen wir meistens draußen stehen. Es ist nicht so anfällig für Windwechsel wie die Genua. Dann kommt schon wieder ein kurzer Sturm über uns hernieder, der sich überhaupt nicht angekündigt hat. Die Böen krachen mit 40kn über uns hinweg und wir haben größte Mühe, die Segel zu bergen. Später stellen wir fest, dass es beim Großsegel offensichtlich zu spät war. Oben haben sich 2 Risse gebildet. Das ist jetzt mal echter Mist, so können wir es nicht mehr nutzen und müssen mit Genua alleine segeln, was echt Geschwindigkeit kostet.
Am 3. Tag bekommen wir Besuch von kleinen Vögeln, die sich erschöpft für einige Stunden bei uns niederlassen. Die sehen nicht viel anders aus als die heimischen Spatzen, sind aber sogenannte Streifenwaldsänger. Die verbringen den Sommer meistens in Kanada und brechen dann zum Herbst zu einer langen Reise nach Südamerika auf. Dabei fliegen sie tagelang über den offenen Atlantik. Das traut man so einem kleinen Vögelchen wirklich nicht zu. Leider stirbt einer der beiden am nächsten Morgen. Da die nur Insekten fressen, konnten wir ihnen nichts Vernünftiges anbieten. Wir sind auch aufgrund des fehlenden Segels langsamer als geplant. Wir kommen deshalb nicht mehr ums Kap herum, bevor wieder der übliche Starkwind anfängt. Das heißt, wir tuckern stundenlang sehr langsam gegen den Wind, die Welle und die Strömung an, sehr zermürbend.


Am 4. Tag ist es immer noch beschwerlich, ums Kap zu kommen. Kreuzen klappt auch nicht gut wegen der Gegenströmung. Man kreuzt rauf und runter und ist immer noch an der gleichen Stelle, quasi als ob man rückwärts fährt. Aber dann, als wir rum sind, wird es ein wilder Ritt. Der Winkel stimmt. Wellen ergießen sich mehrmals pro Minute über das Deck und manchmal auch ins Cockpit. Wir sind dauergesalzen. Der Genua allein reicht es völlig aus, die Böen von Stärke 6–7 abzureiten und uns flott voranzubringen. Das nächste Problem tut sich auf. Durch die Wassermassen über Deck kommt über den Ankerkasten auch Wasser in die Bilge. Allerdings in einem Ausmaß, wie wir es bisher noch nicht kannten. Wir schöpfen alle paar Stunden ein paar Eimer Wasser aus der Bilge hinaus. Vielleicht hat sich vorne ein Schlauch gelöst und das Wasser läuft nicht richtig ab. Die Bilgenpumpe hat anscheinend ihren Geist aufgegeben. Sie brummt zwar noch und gibt eine Meldung ab, dass Wasser da ist, aber das Abpumpen klappt nicht mehr.
Der 5. und letzte Tag lief zunächst noch ganz gut. Das Tempo stimmte und wir bekamen beide jeweils immer wieder ein paar Stündchen Schlaf. Gegen Abend merkten wir dann, dass die Strömung uns von Aruba wegtreibt und wir auf normalem Segelweg nur mit Genua nichts dagegen machen können. Irgendwann reicht es dann: Wir sind nur noch knapp 20 Meilen entfernt, also Motor an und gegenanbolzen. Da der Wind sich recht konstant bei Stärke 6 austobte, war das entsprechend langsam. Statt der üblichen 4–5kn fuhren wir 1,5kn. Und bei 18sm sind das 12h. Was man für ein Seglerleben nicht alles auf sich nimmt. Das größte Problem waren dann aber die Wassermassen in der Bilge. Durch das Gegenanbolzen war unser Bug quasi nur noch im Wasser, und wir haben permanent abwechselnd stundenlang Wasser geschöpft. Irgendwann, als wir näher kamen, wurde die Welle kleiner und es ließ etwas nach. Wir haben auch noch eine andere Pumpe, die über den Akkuschrauber bedient wird. Die hätte aber wesentlich weniger geschafft als die bewährte Eimermethode. Wir müssen auf Aruba dringend das Leck finden. Auch wenn solche Bedingungen die Ausnahme sind, darf das nicht sein. Gegen 5 Uhr morgens kommen wir total gebügelt in der ersten Ankerbucht, die wir vor Aruba finden, an. Also, so eine Überfahrt haben wir beide noch nicht mal ansatzweise erlebt. Manchmal fühlen wir uns wie die kleinen Streifenwaldsänger. Jetzt erst mal ausschlafen.
Wir schlafen nur bis 12.00 und stellen erst mal fest, dass der Knopf zum Ankeraufholen nicht funktioniert. Ich finde den Fehler aber relativ zügig. Es hat sich nur ein Kabel gelöst. Das hätte jetzt gerade noch gefehlt. Als Nächstes müssen wir zu den Behörden, um einen Aruba-Stempel abzuholen. Dafür müssen wir in den Osten der Insel und weiter geht die Fahrt gegen Wind und Welle. Die haben einen eigenen Pier im Hafen, und die Prozeduren mit Immigration und Customs gehen schnell und freundlich. Im Gegensatz zu Kolumbien zum Beispiel zahlen wir hier nur 40 USD. Jetzt sind wir eingereist und dürfen das Land erkunden. Aber vorher müssen wir uns in den nächsten Tagen um die Trocknung und Reparaturen von Auryn kümmern.


